GEOcite – Ein neues Monitoring-Tool zur Wissenschaftsbeobachtung

Ziele

Entwicklung und Implementierung von GEOcite: Ein szientometrisches Monitoring-Instrument zur Längsschnittbeobachtung wissenschaftlicher Kommunikation.

Das Fortsetzungsvorhaben des Projekts „Die Säulen der Einheit und die Brücken im Fach“ verfolgt weiterhin das übergeordnete Ziel, aus der Perspektive der netzwerkanalytischen und bibliometrischen Wissenschaftsforschung einen empirischen Beitrag zu den wissenschaftstheoretischen Diskussionen über die Einheit der Wissenschaft und die Praxis interdisziplinären Arbeitens am Beispiel der Geographie zu leisten. Auch in der Fortsetzungsphase richtet sich das übergeordnete Erkenntnisinteresse auf die zitationsanalytische Erfassung und Analyse (sub-)disziplinärer Binnenstrukturen in der deutschsprachigen Geographie. Während im Projekt bislang lediglich die derzeitige Disziplinstruktur im Mittelpunkt stand und damit die zeitliche Dimension des Strukturierungsprozesses unberücksichtigt blieb, wird in der nächsten Phase eine dynamische Betrachtungsweise entwickelt: Im Zentrum stehen die zeitlichen Dynamiken von Disziplinentwicklung und Paradigmenevolution. Für die Erweiterung der Forschungsperspektive sind zunächst die technischen Grundlagen sowie die notwendige Datenbasis zu schaffen. Konkret geht es in der Fortsetzungsphase um die Entwicklung und Implementierung eines szientometrischen Monitoring-Instruments zur Längsschnittbeobachtung wissenschaftlicher Kommunikation (“GEOcite ”). GEOcite zielt als Softwarelösung auf die Erhebung, Sammlung und Aufbereitung umfangreicher historischer und rezenter Zitationsdaten (von 1949 bis heute). Hierbei wird auf digitale und analoge Archive zurückgegriffen.


Kooperationen

An GEOcite sind mehrere Partner beteiligt.

Umfangreiche Digitalisierungsarbeiten werden in Kooperation mit dem Digitalisierungszentrum der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen durchgeführt. Die Digitalisate bilden die Grundlage für eine automatisierte Zitationsdatenextraktion, die in Zusammenarbeit mit dem (GESIS/Universität Koblenz-Landau/Universität Köln, Dr. Philipp Mayr) erfolgt. Das Anliegen ist die Schaffung und Aufbereitung einer Datenbasis für die Analyse aktueller Strukturen disziplinärer Wissensnetze sowie ihrer historischen Genese. GEOcite schafft die Voraussetzung für bibliometrische Netzwerkanalysen, die dem besseren Verständnis der disziplinären Dynamik dienen. Die gewonnenen Daten werden der Fachcommunity bereitgestellt und so für empirische Wissenschaftsforschung und historische Disziplinbeobachtung dauerhaft zur Verfügung stehen.      

 

Aufbau von GEOcite

GEOcite: Software-Architektur und Datenflüsse

Kerneinheit von GEOcite ist eine relationale Datenbank, in der die Daten hinterlegt, archiviert und für die Analysen automatisiert aufbereitet werden. GEOcite: Aufbau und Datenflüsse

Die GEOcite-Datenbank [M1] verknüpft drei für die bibliometrische Netzwerkanalysen notwendige Datensatzkomponenten [M1a, b, c]: [M1a] – Akteursdaten Wie auch im bisherigen Projektverlauf setzt sich unsere Untersuchungsgruppe aus den geographischen HochschullehrerInnen an universitären Instituten/Fachgebieten im deutschsprachigen Raum zusammen. Die Datentabelle [M1a] umfasst eine Liste aller Geographie-ProfessorInnen von 1949 bis heute sowie ergänzende amtsbezogene Informationen zu diesen Akteuren, wie Denomination, Heimatuniversitäten zu verschiedenen Zeiten, Jahr des Rufes, Jahr des Ruhestands usw. [M1b] – Bibliographische Angaben der Fachartikel der Untersuchungsgruppe (Quelltextdaten) Die zweite Datensatzkomponente [M1b] in GEOcite ist eine umfassende tabellarische Zusammen-stellung der bibliographischen Angaben von Zeitschriftenaufsätzen, die von der Untersuchungsgruppe publiziert worden sind (Quelltextdaten). Um sowohl die historischen als auch die aktuelle Publikationstätigkeit bestmöglich erfassen zu können, speist sich die Datenbank aus zwei Quellen:  Neben der Literaturdatenbank Scopus dienen vom Göttinger Digitalisierungszentrum bereitgestellte Digitalisate der wichtigsten geographischen Fachzeitschriften als Grundlage.  [M1c] – Bibliographische Angaben der zitierten Publikationen (Referenztextdaten)  

Die dritte Datensatzkomponente [M1c] stellt eine Aufstellung sämtlicher von der Untersuchungsgruppe in den Quelltexten zitierten Werke dar (Referenztextdaten). Während die bibliographischen Informationen direkt in Scopus abgefragt werden können, bedarf es für die Datengewinnung aus den Digitalisaten mehrerer Arbeitsschritte (u.a. OCR-Kennung, Automatische Erfassung und Segmentierung der Literaturliste), die in Kooperation dem DFG-Partnerprojekt EXCITE (GESIS, Köln) durchgeführt werden. Die Referenztextdatenbank enthält neben den vollständigen bibliographischen Angaben der Referenztexte auch die Verknüpfung zu den Akteursdaten [M1a] und den Quelltexten [M1b], in denen diese zitiert wurden. Damit stehen schließen alle für die bibliometrischen Netzwerkanalysen benötigen Informationen in GEOcite bereit.

 

Implementierung und Nutzung von GEOcite

GEOcite schafft die Voraussetzung für bibliometrische Netzwerkanalysen, die dem besseren Verständnis der disziplinären Dynamik dienen. Da die Verwendungsmöglichkeiten der erhobenen Daten weit über den konkreten Zusammenhang unseres eigenen Projekts hinausreichen und für zahlreiche disziplinhistorische und wissenschafts-theoretische (Anschluss-)Forschungen geeignet sind, stellen Langzeitarchivierung sowie öffentliche Bereitstellung der Daten ein wichtiges Anliegen dar. Die gewonnenen Daten sollen der Fachcommunity bereitgestellt werden und so für empirische Wissenschaftsforschung und historische Disziplinbeobachtung dauerhaft zur Verfügung stehen. Unser Ziel ist es, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, sowohl die Datenbanken selbst als auch bestimmte Anwendungen von GEOcite als Download bzw. Web-Applikation der Fachcommunity zugänglich zu machen.